Soziale Kämpfe? Gentrifizierung? In München?

Zuspitzung der Situation in der Winzererstraße 25.
Die Stadibau GmbH, Eigentümer des Wohnhauses Winzererstraße 25, versucht seit einiger Zeit mit massivem Druck die MieterInnen der Winzererstraße aus ihren Wohnungen zu vertreiben. Hierbei gehen sie mit rigorosen und unmenschlichen Mitteln gegen nahezu wehrlose BewohnerInnen, die von der alleinerziehenden Mutter über StudentInnen hin zum/zur prekären Selbstständigen reichen, vor.

Die Stadibau GmbH, deren alleiniger Gesellschafter der Freistaat Bayern ist, verfolgt laut ihrer offiziellen Philosophie eigentlich gemeinnützige, sozial- und umweltverträgliche Interessen.
Ziel der Stadibau GmbH ist es, günstige Wohnungen für BeamtInnen und Angestellte im Öffentlichen Dienst bereitzustellen.

In der Realität verfolgt die Stadibau allerdings eine weitaus kommerziellere, sozial ungerechte und selektive Politik:

Deswegen treffen wir uns am

Sonntag, den 13.12. um 11:00 Uhr
vor der Winzererstraße 25 (am Nordbad, U2 Hohenzollernplatz)

Die Tatsache, dass sich sanierte Altbauten, im Gegensatz zu manchen Architekturexperimenten, steigender Beliebtheit erfreuen, bestätigt die Richtigkeit unseres Tuns.

Im Widerspruch dazu soll der Altbau Winzererstraße 25 im April abgerissen und durch ein Architekturexperiment ersetzt werden!
Statt den bisherigen 30 existenten Wohnungen, in denen eine bunte, multikulturelle, auf gegenseitigem Austausch und Solidarität beruhende Mieterschaft wohnte, soll nun ein neues Gebäude, mit der doppelten Anzahl an Wohnungen nur für privilegierte BewohnerInnen entstehen.
Diese Tatsache ist leider nicht mehr abwendbar und die BewohnerInnen haben sich gezwungenermaßen mit dem Auszug im März arrangiert. Womit sie und wir alle uns allerdings nicht abfinden werden, ist die Repression, die bereits im Vorfeld des Auszugs betrieben wird:

Eine alleinerziehende Mutter musste bereits Monate vor Abriss des Hauses auf Grund einer Räumungsklage ihre Wohnung verlassen.
Auf den Einwand, dass sich in der geforderten Zeit und mit den zur Verfügung stehenden Mitteln keine vergleichbare oder angemessene Wohnung für sie und ihre Kinder finden ließe, antwortete der vorsitzende Richter sie solle sich doch im Obdachlosenheim melden.

Das Leitbild der „nachhaltigen Entwicklung“ geht davon aus, dass unser Handeln nicht zu Lasten künftiger Generationen geht.

Die seit jeher von den BewohnerInnen vielseitig genutzte Parkfläche vor dem Haus, darf seit dem 1. Dezember nicht mehr befahren werden, nicht einmal zum Be- und Entladen von Fahrzeugen. Das erschwert nicht nur Familien mit Kindern den Alltag, sondern nimmt auch einer Mutter die Möglichkeit sich ihren Lkw als Vorbereitung zum Auszug im März auf dem Gelände einzurichten. Ohne die Möglichkeit zu verhandeln oder ein Entgegenkommen seitens der Stadibau GmbH, wurde dies schriftlich angeordnet; sich auf dem Grundstück befindende Fahrzeuge wurden abgeschleppt.

Die Hausverwaltung, die ihr Interesse an dem Objekt eher über fehlende Anwesenheit zum Ausdruck brachte und alle Verantwortung , Rechte und Pflichten von sich auf weitere Organe wie z.B. das StudentInnenwerk (die hier als Zwischennutzer fungieren) schob, besteht nun auf die penibelste Einhaltung jeglicher Vorschriften obwohl diese in den letzten Jahren nie zur Sprache kamen.
Auf beleidigende, diskriminierende Art und Weise ist die Hausverwaltung jetzt maßgeblich an der Ausführung der Repression beteiligt.

Für die Zufriedenheit unserer Mieter ist nicht nur eine gut funktionierende Hausverwaltung, sondern in erster Linie die Qualität der Wohnung und das Umfeld ausschlaggebend.

Nicht Genug dass alle BewohnerInnen unter psychischen Druck gesetzt werden, wird nun in dem Haus der durch die Repression gewonnene Wohnraum, sowie die gesamte Parkfläche von einer Filmproduktion genutzt, die der Stadibau GmbH sicherlich mehr Geld einbringen als die ehemaligen MieterInnen. So wird zum Beispiel nicht nur die Wohnung der o.g. Alleinerziehenden Mutter, für die Filmproduktion genutzt, die Hausverwaltung hielt es außerdem nicht für nötig, auch nur einen der MieterInnen im Vorhinein über die anstehenden Dreharbeiten zu informieren.

Wir werden nicht hinnehmen, dass das Engagement für Mitmenschen durch die Hausverwaltung mit Abmahnungen bestraft wird!

Wir werden nicht hinnehmen, dass persönlicher Wohnraum zerstört wird, weil eine Hausverwaltung in einer Filmproduktion ein lukrativeres Geschäft sieht, als die MieterInnen einfach die letzten drei Monate in den ihnen zustehenden Räumlichkeiten in Frieden wohnen zu lassen. Allein deshalb weil die Suche nach Alternativen im teuren München sofern sie noch möglich ist ihre Zeit braucht.

Soziale Kämpfe fangen bei jedem von uns zu Hause im eigenen Wohnraum an und nicht erst vor der Tür!

Die hier beschriebenen Missstände sind in unseren Augen auch nur ein weiteres Beispiel für den schnell fortschreitenden Prozess der Gentrifizierung, die Vertreibung von Mitmenschen und GenossInnen in die Randbezirke, sowie die Yuppiesierung der Innenstädte!

Merry Crisis and a Happy New Fear!

Kursiv gedrucktes: Auszüge aus der Philosophie der Stadibau GmbH Homepage:
www.stadibau.de