Archiv für Januar 2018

Mi. 31.1. Vortrag über Titoismus

Titoismus – Theorie und Praxis des Selbstverwaltungssozialismus in Jugoslawien

Vortrag von Matthias Zwack

Jugoslawien wird heute wahrscheinlich vor allem mit gutem Essen und schönen Stränden in Verbindung gebracht. Weniger bekannt ist, dass das Land einstmals Schauplatz eines historisch einzigartigen Versuches war, einen anderen Sozialismus zu errichten. Einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“, der die Beschränkungen von Klasse, Geschlecht und Nation hinter sich lassen und auf Weltoffenheit, individuellen Freiheiten und echter sozialer und politischer Teilhabe basieren sollte. Obwohl das jugoslawische Modell – von einer durch und durch autoritären Partei von oben initiiert – durchaus widersprüchlich war, feierten es Linke in Ost und West über fast ein halbes Jahrhundert hinweg als erfolgreiche Alternative zu Kapitalismus und Staatssozialismus – bis es in einer Serie blutiger Bürgerkriege zusammenbrach.

Der Vortrag lässt dieses vergessene Kapitel in der linken Bewegungsgeschichte noch einmal Revue passieren und stellt die Frage seines Erfolgs und Scheiterns neu. Im Zentrum steht die Diskrepanz zwischen autoritären und antiautoritären Elementen, die im sozialistischen Jugoslawien nebeneinander bestanden und sich gegenseitig ergänzten. Vor diesem Hintergrund wirft der Vortrag die Frage auf, was wir aus der jugoslawischen Erfahrung für unsere heutige Theorie und Praxis mitnehmen können.

Im Anschluss gibt es eine Auswahl an jugoslawischem Punk, Postpunk, Wave und Synth-Pop der 1970er und 1980er Jahre zum Tanzen und Zuhören, aufgelegt von dem wie immer großartigen Gregor Giesing.

Offen ist ab 20.00, Vortrag beginnt 21.00.

Do. 01.02.: Antifa-Café

“Wir wollen Gott”
Zur (extremen) Rechten in Polen

Im Zuge des nationalistischen Backlash in Europa erweist sich die Polnische Rechte als besonders erfolgreich. Wie gering die Berührungsängste zwischen extrem rechten Akteuren, Politik und Zivilgesellschaft sind, zeigt sich etwa Ende 2017, als 60.000 Menschen zum „99. Nationalfeiertag der Unabhängigkeit“ in Warschau auf die Straße gehen. Ganz selbstverständlich kommen da Menschen zusammen, die sich andernorts wohl um mehr Abstand bemühen würden. Die Banner-Schriftzüge „Weißes Europa brüderlicher Nationen“ leuchten rot im Licht der Bengalischen Feuer neonazistischer Gruppen, die neben jungen Familien aus dem Hipster-Viertel und dem alten Dorf-Pfaffen laufen. Ein weiß-rotes Flaggenmeer, treibt Regierungsmitglied Blaszcak vor laufender Kamera die Freudentränen in die Augen. Eröffnet wird der Marsch mit einer katholischen Open-Air Messe – das einende Motto ist: „My chcemy Boga!“ (“Wir wollen Gott!”) – die Übersetzung der extremen Rechten für: „Unser Land gehört den (weißen) Katholiken“. Der größte nationalistische Marsch Europas steht exemplarisch für die Verfasstheit und Struktur der polnischen Rechten, die sich deutlich von der hiesigen unterscheidet. Um diese Zusammenhänge und Verhältnisse aufzuklären, kommt Kapturak am 1. Februar aus Warschau zu uns nach München ins Antifa-Café. Der Social Media Aktivist @kapturak berichtet täglich zur polnischen und tschechischen Rechten.

Beginn: 20 Uhr / Vortrag: 21 Uhr

Sa. 27.1. Chaos oder Anarchie – Konzert und Party

Soliparty gegen staatliche und gesellschaftliche Repression

mit Rötten Shock, Pirates of Suburbia, Digitalbox und Wunst

In München häufen sich derzeit die Repressionsfälle gegen anarchistisches, antifaschistisches, ja gegen beinahe jede Form von linksradikalem Engagement. Auf der Straße wird der Protest gegen rassistische, nationalistische, sexistische und andere autoritäre Organisationen durch die Cops angegriffen, die Münchner Gerichte rechtfertigen diese Angriffe später vor Gericht und kriminalisieren den Protest gegen diese.

Dabei sind diese Delegitimierungsversuche gegenüber linkem Engagement Ausdruck gesellschaftlich mehrheitsfähiger Normvorstellungen, deren Reproduktion von allen Mitgliedern der Gesellschaft erwartet wird. Egal ob Heteronormativität, Leistungszwang oder Identitätszwänge gegenüber einer „deutschen Leitkultur“, wer gegen diese Normen verstößt, muss mit Gewalt zurück in den Bereich des „Normalen“ gezwängt werden.

Weil gegen einige von uns hohe Geldstrafen verhängt wurden, benötigen wir nun Geld, um diese Menschen finanziell zu unterstützen und die Repressionskosten solidarisch auf viele Menschen zu verteilen. Deshalb kommt vorbei, feiert mit uns, trinkt Bier und andere Getränke und spendet ein wenig Geld zur Bewältigung unserer Repressionskosten.

19 Uhr: Einlass

20 Uhr: Diskussion zum Thema finanzielle Ausgrenzung in linken Räumen

Ab 21:30 Uhr: Party mit Rötten Shock, Pirates of Suburbia, Digitalbox und einem Special Guest

In Raum 2: Eine Person sammelt Spenden für seine geschlechtsangleichende OP. Kommt vorbei und trinkt Getränke für einen Guten Zweck!

Mi. 24.01. „Industrie 4.0“ oder die neue digitale Herrschaft im Betrieb.

Vortrag und Diskusssion:

Wir erleben derzeit eine neue Welle der Digitalisierung der Arbeitswelt, die unter dem Label „Industrie 4.0“ heiß diskutiert wird. Dabei hören wir meist von einer „Flexibilisierung der Produktion“, von „entscheidenden Standortvorteilen für Deutschland“, von „individualisierter Massenproduktion“ – Aber was bedeutet die Digitalisierung eigentlich für die Beschäftigten? Die beiden Referenten entwickeln eine proletarische Perspektive auf die Entwicklung, die vor allem der Frage nachgeht, wie sich die digitale Technologie auf das Herrschaftsverhältnis von Management und ArbeiterInnen in der Industrie auswirkt. Anhand zahlreicher Beispiele aus der betrieblichen Realität, aber auch aus der Geschichte der sozialistischen Kybernetik, diskutieren sie neue Kontroll- und Überwachungstechniken, aber auch Potentiale des Widerstands und der Demokratisierung.

Mathias Martin Becker ist Wissenschaftsjournalist und hat selbst jahrelange Erfahrung als Pflege- und Industriearbeiter. Er ist Autor des Buches „Automatisierung und Ausbeutung. Was wird aus der Arbeit im digitalen Kapitalismus?“.

Simon Schaupp ist Soziologe und Autor des Buches „Digitale Selbstüberwachung. Self-Tracking im kybernetischen Kapitalismus“, sowie Mitherausgeber des Buches „Kybernetik, Kapitalismus, Revolutionen. Emanzipatorische Perspektiven im technologischen Wandel“.

Veranstalterin ist die FAU München

Offen um 20 Uhr

Fr. 19.1. G20 – Ein Gipfel der Repression.

Am Freitag stellt sich die Antirepressions-Kampagne „United we Stand!“ vor:

„G20 ist vorbei, aber es gibt für uns keinen Anlass zur Tagesordnung überzugehen! Gut ein halbes Jahr ist es her, dass in Hamburg viele Aktivist*innen zu Gast waren um auf vielfältige Weise zu zeigen, was sie von den G20 und der Welt, die sie verkörpern, halten. Die Proteste wurden von Seiten der Polizei mit brutaler Gewalt beantwortet. Neben ungezählten Verletzten, gab es auch Festgenommene – nach dem Gipfel blieben rund 30 für eine längere Zeit in U-Haft. Aktuell laufen die letzten Verfahren gegen jene, die während der Gipfeltage inhaftiert wurden. Die Repressionsbehörden haben bereits zwei größer angelegte Hausdurchsuchungen durchgeführt und durch die so genannte Öffentlichkeitsfahndung eine bisher unbekannte Hetzjagd auf 107 weitere Betroffenen losgetreten. Wir haben eine umfangreiche Präsentation für euch im Gepäck, die sowohl die Repression vor und rund um die Gipfeltage beleuchtet, als auch auf bisher geführten Verfahren und die aktuelle Situation eingeht. United we Stand! Solidarity is our power!“

Offen ab 20 Uhr

Sa. 13.01.: Stench Of Profit Fest 3

Am 13. Januar gibt es die dritte Ausgabe des Stench Of Profit Fest. Das Ganze ist Soli für Betroffene von Repression und Polizeiwillkür.

10 Bands – 15 Minuten pro Band, diesmal mit Dekonstrukt, Vorgär, Strick, All My Hate For, Katafalk, Lecsa Punk, Pirates Of Suburbia, Digital Box, Per Capita und Caos Cartel. Crust, Hardcore, Punk… Für alle Freund*innen des gepflegten Kraches sollte da was dabei sein.

Die Running Order wird immer kurz vor dem Gig ausgelost und bekanntgeben. Los geht’s um 20 Uhr!

Mi. 17.01. Contra la “ley mordaza” – Informationsabend über spanische Schweigegesetze

Am 17.1. lädt die Gruppe Marea Granate Munich ab 20:30 Uhr zu einem Informationsabend über die Knebelgesetze in Spanien bei uns im Laden ein. Zudem wird der Dokumentarfilm „Geknebelt“ von Franco Lorenzano (Spanisch mit deutschen Untertiteln) gezeigt.

München gegen die Knebelgesetze

Am 1. Juli 2015 traten in Spanien die Knebelgesetze in Kraft, durch die demokratische Grundrechte wie Meinungsfreiheit, Informationsfreiheit und Versammlungsfreiheit eingeschränkt wurden, und die Polizei mehr Macht erhielt.

Wir wollen an diesem zweiten Jahrestag nicht schweigen und treten in Aktion um die Verletzung unserer Rechte und unserer Freiheit durch diese Gesetze anzuprangern. Wir verurteilen ihre Anwendung und Konsequenzen.

Aber was genau sind die Knebelgesetze? Wir laden euch zu einem Informationsabend ein, an dem wir den Dokumentarfilm „Geknebelt“ von Franco Lorenzano (Spanisch mit deutschen Untertiteln) zeigen und euch zuvor in den gesellschaftspolitischen Kontext einführen werden, in dem die Knebelgesetze entstanden.

Wir freuen uns auf euch!

El 1 de julio de 2015 entraron en vigor las Leyes Mordaza en el Estado español y desde entonces se han visto vulnerados derechos democráticos básicos como la libertad de expresión, el derecho a informar o el de reunión pacífica, resultando en un mayor poder para la policía.

No queríamos quedarnos calladas, así que pasamos a la acción para denunciar las violaciones de nuestros derechos y libertades a manos de estas leyes.

Pero, ¿qué son las Leyes Mordaza? Te invitamos a participar en estas jornadas en donde denunciaremos su aplicación y consecuencias a través de la proyección del documental „Bajo las mordazas“ (producido por Franco Lorenzana), subtitulado en alemán, con un coloquio previo de introducción a dichas leyes y a la situación sociopolítica en las que surgieron.

¡Os esperamos!
Marea Granate Múnich

Fr. 05.01. Karaoke

Am Freitag lädt El Presidente wieder zum Karaoke.

Mi. 3.1. Film in Gedenken an Oury Jalloh

In Gedenken an Oury Jalloh, der am 07. Januar 2005 in einer Gewahrsamszelle eines Dessauers Polizeireviers verbrannte, zeigen wir einen Film über Oury Jalloh pünktlich um 21:00 Uhr. Gleichzeitig zur Demo in Dessau wird es am Sonntag den 07. Januar 14:oo Uhr einen antirassistischen Stadtrundgang beginnend am Sendlinger Tor geben.

Oury Jalloh wurde am 7. Januar 2005 in einer Gewahrsamszelle der Polizei Dessau bei lebendigem Leibe verbrannt. Bei einem ersten Prozess im Jahre 2007 wurden die beiden angeklagten Polizeibeamten freigesprochen. Auch im nachfolgenden Revisionsverfahren wurde weiterhin darauf beharrt, Oury Jalloh hätte sich, im gefesselten Zustand auf einer feuerfesten Matratze liegend, selbst angezündet. Unabhängige, von der Initiative Oury Jalloh in Auftrag gegebene Gutachten haben dies längst als Lüge entlarvt: Woher kam das Feuerzeug? Woher kamen seine vielen Verletzungen? Warum wurde der Rauchmelder ausgeschaltet und die Gegensprechanlage leiser gedreht? Oury Jalloh wurde Opfer eines rassistisch motivierten Mordes!